Prosciutto und Cappuccino


Reges Interesse, viele Gäste


Das verhüllte Superbike


Didi Brandl von BLM (links) und Paolo Chiabatti (mitte)


Erstmals in Österreich: Ducati 1098

Bruck/Mur, 2006-12-16. BLM hatte gerufen und viele waren gekommen. Während meine Frau ihren Red-Bull-Rausch von der Weihnachtsfeier ausschlief, setzte ich mich ins Auto und fuhr nach Bruck an der Mur, wo der österreichische Ducati-Generalimporteur die neue 1098 präsentierte.

Der riesige Verkaufsraum von BLM war so gut wie leer geräumt worden, um Platz für die erwarteten Gästemassen zu machen. Nur Ducatis durften drinnen im Warmen bleiben, alle anderen Marken wurden gnadenlos in die Dezemberkälte verbannt.

Bei meinem Eintreffen war die Halle schon recht gut gefüllt. Als Stargast war Paolo Ciabatti angekündigt, der Teamchef von Superbike-Meister Troy Bayliss. Doch Paolo erwies sich als waschechter Italiener und ließ auf sich warten. Eine Veranstaltung ohne Verspätung wäre eben keine italienische, meinte der galante Moderator auf der Bühne und regte an, sich die Zeit doch mit Prosciutto und Cappuccino zu vertreiben. Ein Vorschlag, dem die meisten von uns sehr gerne folgten und nach Kaffee und Zigarette war Herr Ciabatti auch schon da.

Ciabatti plauderte aus dem Nähkästchen und betonte, wie wichtig das Siegen für das Haus Ducati wäre. Leuchtende Augen bekam er, als er von Troy Bayliss' Sieg im MotoGP-Finale in Valencia erzählte. Damit hatte niemand rechnen können. Und natürlich war er voll des Lobes über die neue Ducati 1098, die verhüllt neben ihm stand.

Drehmoment-Monster

Als Didi Brandl von BLM der Wort ergriff, wurden genauere Details über die Technik der 1098 bekannt. Die Prämisse der Ingenieure: Alles, was leichter und schneller macht, ist erlaubt. Alles andere ist verboten. Die 162PS hören sich in diesen Tagen nicht mehr wirklich spektakulär an - schließlich ist man von japanischen Vierzylindern größere Leistungen gewöhnt. Aber 125Nm Drehmoment bei einem Gewicht von 171kg lassen doch aufhorchen. Die Ducati 1098 ist damit das Motorrad mit dem besten Drehmoment-Gewicht-Verhältnis weltweit.

Endlich ein 916-Nachfolger?

Bevor das maßgeschneiderte, rote Tuch mit dem stilechten Ducati Superbike-Aufdruck gelüftet wurde, bemühte Didi Brandl noch einmal den Vergleich zur legendären Ducati 916. Damals, als er bei der Präsentation der 916 war, war die Reaktion aller Besucher dieselbe: Wortloses Staunen und Gänsehaut. Die Ducati 999, der Vorgänger der 1098, hatte diese Reaktionen nicht auslösen können, das räumte selbst ein Didi Brandl ein. Umso mehr Hoffnung würde nun in die 1098 gesetzt, die an die glorreiche Tradition der 916 anknüpfen soll.

Die Hüllen fallen und eines ist auf den ersten Blick klar: Die 1098 ist ein bildschönes Motorrad. In Natura wirkt sie bei weitem eleganter als auf den Bildern, die man vorab im Internet und in Magazinen gesehen hatte. Und auf den zweiten Blick merkt man, daß sie - zumindest optisch - durchaus als Evolution der 916 gesehen werden kann. Ob sie dieses schwere Erbe wird antreten können, das wird sich zeigen.

Gutes Rad ist teuer

Es wurden keine Zahlen genannt, nur soviel: Der Preis der 1098 wird sich im Bereich der 999 bewegen. Ob die Preise der 999 mit dem Erscheinen der neuen 1098 nun ins Bodenlose fallen werden, bleibt abzuwarten. Eine logische Entwicklung wäre es allemal.

Und die eigentliche Sensation: Ducati kündigt eine Reduktion der Servicekosten - schon immer ein sensibles Thema bei dieser Marke - um sage und schreibe 50% an. Dies soll einerseits durch eine Vergrößerung des Serviceintervalls erreicht werden, andererseits sollen bei den Services weniger Pflichtarbeiten nötig sein. Eine Nachricht, die alle künftigen 1098-Treiber sehr freuen wird.

Mein Fazit

Kompliment an das Team von BLM für eine gelungene Veranstaltung. Alles war gut organisiert und ihr habt uns mit der neuen 1098 ein schönes Motorrad gezeigt. Sogar ein sehr schönes. Zum Thema technische Neuerungen habe ich heute viel gehört und wenig verstanden. Das liegt natürlich an meinem mangelnden technischen Verständnis und nicht an der Güte des Vortrags.

Für mich steht fest: Ich würde die 1098 sofort kaufen. Vorausgesetzt, ich mache einen Solosechser beim nächsten Dreifachjackpot. So lange das nicht eintritt, wird meine nächste Maschine definitiv keine 1098 sein.

Ronald März Superbike-Boss Paolo Ciabatti an
der Tränke In der Dezemberkälte Mit auf der Bühne: Die 999 Ducati 999

Martin Dunst, 16.12.2006
Zuletzt geändert am 13.10.2007